Harte Arbeit, wenig Freizeit. Die Liebe zur Persönlichkeitsentwicklung und der Hang zum Risiko. Geld muss verdient werden und es fällt schwer sich freie Zeit einzuräumen. All dies hat die letzten Jahre meines Lebens gefüllt. Fotografieren für andere Menschen. Da sein für die Kunden. Was mir jedoch fehlte, war, einen freien Kopf zu bekommen, neue Visionen zu entdecken. Es war an der Zeit, gewisse Dinge zurückzulassen. Meine bessere Hälfte und ich beschlossen somit eine kleine Rundreise durch Italien zu beginnen. Wir haben bewusst auf die Buchungen von Hotels verzichtet und haben uns durchweg in Airbnbs einquartiert. Ein paar kleine Tips erhaltet ihr auch, den Rest müsst ihr selbst in Erfahrung bringen 😉 Die Reise fand im September 2020 statt, aber erst jetzt komme ich dazu diese Worte zu finden.

Genua

Unsere erste Station. Mitten in der Altstadt. Schon zu Beginn prasselt eine Mischung aus Abgasen der Fahrzeuge und der salzige Geruch des Meeres entgegen. Die deutsche Ruhe, die unsere Straßen kannten, wurden hier über den Haufen geworfen. Wir liebten es jedoch, die charismatischen Italienerinnen und Italiener auf ihren Rollern durch die Gassen fahren zu sehen . Jede noch so kleine Lücke wurde genutzt, um schneller voran zu kommen. Falls ihr hier Urlaub machen wollt, macht Euch direkt Gedanken, wo ihr parken könnt. Je nach Fahrzeug sollte hier ein sicherer Platz gesucht werden. Wir hatten hier ein Parkhaus genutzt, günstig wird es aufjedenfall nicht. Die Altstadt ist es wert, all diese kleine Gassen mal abzulaufen. Wer sich für Architektur interessiert, kommt hier auf seinen Geschmack. Die alten Häuser reihen sich wie Soldaten aneinander. Ein Haus stark, das andere klein und schmächtig.

 

Es ist nicht der Perfektionismus der deutschen Baukunst zu sehen, jedoch die geprägte Geschichte eines jeden Hauses. Allein die Hauseingänge schaffen es, dass man diesen Bewunderung entgegenbringt. Ihr solltet hier sowohl am Tag als auch abends der Altstadt eure Aufmerksamkeit schenken. Für mich war es etwas Besonderes zu fotografieren, losgelöst von einem Auftrag, einem Kunden, dem man selbstverständlich seinen Wunsch erfüllen möchte. Sein Ding zu machen hat etwas von kreativer Freiheit die wieder diese Frische in die Seele haucht. Beim Essen solltet ihr euch nicht davon leiten lassen, ob ein Restaurant gut gefüllt ist. Entweder wir haben hier Pech gehabt oder der Hilfskoch versuchte eine neue Kunst der Küche.

 

Portofino

Anschließend bewegten wir unser Fahrzeug entlang der Küste. Keinen Zeitdruck und einfach jede Station mitnehmen, auf die man Lust hatte. Die Hafenstadt Portofino war jedenfalls ein kleiner Ort direkt am Meer. Er war so idyllisch und in sich geschlossen – hier werden wir mal wieder hinkommen, wenn wir ein paar Tage zum ausspannen brauchen.

Pisa

Da Pisa auf dem Weg lag, wollten wir auch hier die bekannten Sehenswürdigkeiten mitnehmen, aber mehr war es auch nicht 😉 Ach ja im Februar habe ich einen Strafzettel aus Italien bekommen, weil ich wohl durch eine Straße gefahren bin, die ich nicht nutzen durfte. Strafe lag hier bei 229 EUR. Im März 2021 kam dann der nächste. Also passt gut auf, auf welcher Straße ihr euch befindet.

Livorno

Einen Zwischenstop mit Übernachtung legten wir in Livorno ein. Auch wieder sehr zentral gelegen war unsere Unterkunft. Hier packte es mich das erste Mal, den Wecker in der früh zu stellen. Einfach zu sehen wie eine Stadt erwacht ist, etwas, welches ich nur jedem empfehlen kann. Schau dir die Stadt an, wie sie in den Schlaf fällt und wie sie am frühen Morgen erwacht. Es soll Städte geben, die niemals schlafen 😉 Livorno jedenfalls hatte Überreste von feiernden jungen Menschen und den Arbeitern des Marktes.

 

Mit dem E-Scooter durchflog ich Straße um Straße. Ich nutzte mit Absicht eine Festbrennweite, um mich bewegen zu müssen. Außerdem hatte ich immer meine Drohne im Gepäck, um den Sonnenaufgang an der Küste einzufangen. Hier jedenfalls war mir bewusst, dass die Dunkelheit genau mein Ding war. Ich hatte die letzten Jahre zu viel Zeit mit ausgeleuchtetem Fotostudio und Retusche verbracht. Keines der Bilder hatte jedoch eine nachhaltige Bedeutung für mich. Ich kann jedoch zu jedem Bild erzählen, welche Situation mich ergriffen hat, stehen zu bleiben und mit dem Fokus die Gelegenheit zu erhalten, ein Bild zu schaffen, das bleibt.

San Miniato

Dies ist das Schöne: man kann mit dem Auto Städte abfahren, auf die man Lust hat. Kleine Dörfer abzufahren und wenn es einem nicht gefällt, das Auto schnell in Bewegung zu setzen.

 

Florenz

Wow, meine Augen funkelten, welch Stadt die voller Lebensereignisse steckte. Wir Menschen erhalten Falten durch das Erlebte und ebenso spüren wir in einer Stadt, welche Geschichte sich hier dargeboten hat.

 

Gambassi Terme

Guten Wein? Den findest du genau hier, ebenso die Ruhe die man manchmal braucht. Wenig Menschen sieht man hier, aber hier kann man mal so richtig runterfahren, neue Energie tanken.

 

Siena

Es soll die schönste Stadt der Toskana sein und dies kann ich vollends unterschreiben. Obwohl mir die Touristik die zu große Dominanz inne hatte. Es machte den Eindruck, als würden die Einheimischen diesen das Feld überlassen.

Civita di Bagnoregio

Es sollte ein Highlight aus fotografischer Sicht werden, mehr dazu gleich…

 

Lago di Bolsena

Hier haben wir einen Tag am See ausgespannt. Empfehlenswert für Camper, die an einem nicht stark besuchten See ihren Tag genießen wollen.

 

Am nächsten Morgen stand ich wieder in aller früh auf, um die kühle Luft zu tanken und mit Drohne und Kamera die Gassen zu erkunden. Ein Ziel war für mich Civita di Bagnoregio, welches schon von weitem eindrucksvoll war. Eine Kulisse die man zumeist aus Serien oder Filmen kannte. Ich startete mit meiner Drohne und wusste hier schon, dass meine Position von der Straße aus wenig Sinn macht. Aus der Luft wirkte es so imposant, dass ich mir die Einleitung eines historischen Filmes vorstellte. Die Drohne lies ich um dieses verlassene Dorf gleiten. Jedes Bild welches ich abdrückte hielt ich in Gedanken fest. Die einzige Brücke zum Dorf ging ich entlang. Unter mir erblickte ich die tiefe Schlucht. Warum auch immer, das Gefühl von Angst und Bewunderung spielt sehr oft eine Rolle in meinem Leben. Auch hier. Die Sonne stieg empor und jedes Bild wirkte anders, anders auf seine Art. Keine Zeit zu verlieren war wichtig. Ich wusste, nochmal würde ich nicht herkommen. Als ich die steile Brücke mit der Drohne in Richtung Straße fliegen wollte, lief ich blickend zurück auf diese Gestalt von Fels, auf welchem die letzten Häuser ruhten. Ich spürte nur noch einen Abflug und stürzte zu Boden. Diesen Moment werde ich nie vergessen. Eine Unachtsamkeit die Dein Leben prägen wird.

 

Ich stand auf und sah wie mein Unterarm in eine Richtung stand, in die man diesen nie sehen möchte. Warum auch immer, war das erste, zu schauen, ob meine Kamera mit Objektiv ganz war. Es hatte lediglich die Sonnenblende zerschmettert. Die Drohne konnte ich landen. Ich blickte nochmals auf meinen Unterarm und mir wurde schlecht. Ich überlegte kurz mich einfach hinzusetzen und zu schlafen, da ich mit einem Mal sehr müde wurde. Aber wie der Mensch ist, entsendet er in solchen Situationen Kräfte, die man nicht kennt. Mit Schmerzen steuerte ich 1,4 Kilometer in die Unterkunft. Meine Freundin weckte ich, die dachte, dass ich Brötchen mitbringe und als sie mich sah, wurde ihr, glaube ich, schlechter als mir. Wir steuerten in ein Krankenhaus, ca 30 Minuten von der Unterkunft. Erst jetzt wusste ich wie schmerzhaft Kurven und schlechte Straßen in Italien sein konnten. Angekommen in der Notfallambulanz traf ich auf Dr. Roberto mit Goldkette und goldener Armbanduhr. Er teilte mir mit, dass meine Knochen im Ellenbogen verschoben seien und er es wieder in die Richtung bringen würde. Ich versuchte ihn noch, darum zu bitten mir Medikamente zu geben. Aber es hielt mich schon jemand von hinten fest und Dr. Roberto zog am Unterarm, drehte in verschiedene Richtung und ich schrie das Krankenhaus zusammen. Dr. Roberto verzog keine Miene. Wasser, ich brauchte Wasser, seit Stunden hatte ich nichts getrunken. Dr. Roberto blickte sich um, nahm vom Schreibtisch seine Espressotasse und füllte diese mit Wasser. Er zwinkerte mir zu und mehr weiß ich dann nicht mehr. Die Rückreise nach Deutschland war natürlich eine Qual, aber wir haben es nach 16 Stunden Autofahrt nach Karlsruhe geschafft. Von hier aus wurde ich dann vom ADAC nach Köln gebracht und dort operiert. Den Arm werde ich leider nicht wieder gestreckt bekommen. Aber es hätte schlimmer ausgehen können. Man muss sich immer denken, dass andere Menschen nicht so ein Leben führen können, wie wir es tun. Daher muss man auch solche Dinge wegstecken. Mein erstes Shooting für die Firma Bidi Badu konnte ich zwar mit Schmerzen durchführen, doch die Leidenschaft zur Fotografie hat mich dazu getrieben, dies zu schaffen.